Meeresschutzgebiet? Leider nur Label-Schwindel!
Darum geht’s
Krabbenkutter rattern mit ihren Grundschleppnetzen über die sensibelsten Zonen der Nordsee und machen dabei auch vor Meeresschutzgebieten nicht halt. Dabei hinterlassen sie eine Spur der Zerstörung: Viele wichtige Lebensräume wie Sandkorallen-Riffe sind schon verschwunden. Seegraswiesen, Muschelbänke und lebenswichtige Kinderstuben für Fische werden rücksichtslos für den kurzfristigen Profit geopfert.
Gerade das Wattenmeer muss ein sicherer Rückzugsort sein: Hier wachsen junge Fische heran, hier entscheidet sich die Zukunft ganzer Fischpopulationen in der Nordsee. Doch Deutschland verstößt wissentlich gegen EU-Recht und lässt diese Zerstörung in expliziten Schutzgebieten weiter zu.
Wir schauen nicht länger zu, wir stoppen die zerstörerische Grundschleppnetzfischerei jetzt mit juristischen Mitteln! Und auch du kannst etwas bewegen: stärke uns vor Gericht den Rücken, mit deiner Unterschrift!
Unterschreibe jetzt
die Petition gegen die zerstörerische Grundschleppnetzfischerei in den Nationalparks im Wattenmeer!
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36000 Stunden pro Jahr
So lange wird allein im schleswig-holsteinischen Wattenmeer mit Grundscheppnetzen gefischt. In einem Gebiet, das eigentlich geschützt sein soll.
Grundschleppnetzfischerei: Zerstörerisch für Mensch, Tier und Ökosysteme
Kinderstuben der Nordsee
Unter der Wasseroberfläche des Wattenmeers liegt eine verborgene Welt, die die meisten Menschen niemals sehen. Sandbänke, Seegraswiesen, Muschelbänke und andere Lebensräume bilden die Kinderstuben der Nordsee.
Nahrungsnetze für Schweinswale und Robben
Damit Schweinswale und Robben überleben können, brauchen sie ausreichend Nahrung. Dafür wiederum braucht es gesunde Fischpopulationen. Und diese sind auf intakte Lebensräume angewiesen.
Zukunft der fairen und nachhaltigen Fischerei
Gesunde Fischpopulationen brauchen gesunde Lebensräume. Deshalb sind wirksame Meeresschutzgebiete so wichtig. Der Schutz der Kinderstuben ist auch die Voraussetzung für die Fischerei von morgen.
Warum wir vor Gericht ziehen:
Deutschland bricht EU Recht
Deutschland ist gesetzlich dazu verpflichtet, seine Meeresschutzgebiete zu schützen und schädigende Aktivitäten zu verhindern. Indem es diesem Auftrag nicht nachkommt, verstößt die Bundesregierung gegen geltendes EU-Umweltrecht.
Fehlende FFH-Verträglichkeitsprüfung
Die Nationalparkverwaltung und die Landesregierung verweigern seit Jahrzehnten, die gesetzlich vorgeschriebene Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Verträglichkeitsprüfung durchzuführen und lassen die Zerstörung artenreicher Lebensräume zu. Das ist mit europäischem Naturschutzrecht nicht vereinbar. Deshalb klagen wir.
Sei auch du dabei – Unterstütze unsere Forderungen an die Bundesregierung und die Landesregierungen von Schleswig-Holstein und Niedersachsen:
Schutzgebiete wirklich schützen: Sofortiges Verbot der Grundschleppnetzfischerei in allen deutschen Meeresschutzgebieten – einschließlich des Wattenmeers.
Geltendes Recht durchsetzen: Die Verpflichtungen aus EU- und nationalem Naturschutzrecht konsequent einhalten.
Fischpopulationen und Artenvielfalt wiederherstellen: Kinderstuben und Laichgebieten die Chance geben, sich zu erholen.
Zukunft der fairen und nachhaltigen Fischerei sichern: Nachhaltige Fischereimethoden fördern, statt zerstörerische Praktiken zu dulden.
Warum deine Stimme zählt und was als nächstes passiert:
Die zerstörerische Grundschleppnetzfischerei geschieht bislang fast unbemerkt – das können wir gemeinsam ändern. Öffentlicher Druck hat schon oft den entscheidenden Wendepunkt gebracht, und genau diesen Hebel setzen wir jetzt an.
Mit deiner Stimme zeigst du den Entscheidungsträger*innen: Wo „Schutzgebiet“ draufsteht, muss auch Schutz drin sein. Deine Unterschrift gibt uns den nötigen Rückenwind für politische Verhandlungen und juristische Schritte. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass aus dem Label „geschützt“ endlich Realität wird.
Was ist das Ökosystem Wattenmeer?
Das Wattenmeer ist eine einzigartige Küstenlandschaft in der Nordsee. Es erstreckt sich von den Niederlanden über Deutschland bis nach Dänemark. Zweimal täglich zieht sich das Wasser zurück und legt große Wattflächen frei. Danach kommt die Flut und überflutet die Landschaft erneut.
Das Wattenmeer ist eines der größten zusammenhängenden Wattgebiete der Erde. Aufgrund seiner Bedeutung gehört es zum UNESCO-Weltnaturerbe und ist Nationalpark. Im schleswig-holsteinischen Wattenmeer leben tausende Tier- und Pflanzenarten: Würmer, Muscheln, Krebse, Fische, Seehunde, Schweinswale und Millionen von Zugvögeln.
Warum ist das Wattenmeer so besonders?
Das Wattenmeer ist die Kinderstube der Nordsee. Viele Fischarten wachsen hier als Jungtiere auf, bevor sie in die offene Nordsee ziehen und dort wiederum Nahrungsgrundlagen für andere Arten wie Schweinswale und Seevögel bilden. Daherist es ein wichtiges Rastgebiet für Zugvögel auf ihrenWanderrouten von Nordeuropa in den Süden.
Früher war das Wattenmeer noch artenreicher als heute. Große Austernbänke, Seegraswiesen und sogenannte Sandkorallenriffe bildeten komplexe Lebensräume am Meeresboden. Viele dieser Lebensräume sind inzwischen verschwunden oder stark beschädigt. Wissenschaftler*innen sehen darin eine Folge jahrzehntelanger menschlicher Nutzung – besonders durch die Grundschleppnetzfischerei mit bodenberührenden Netzen.
Das Wattenmeer ist außerdem wichtig für das Klima. Gesunde Meeresböden, Seegraswiesen und intakte Fischpopulationen speichern Kohlenstoff und helfen dabei, CO₂ aus der Atmosphäre zu binden. Werden diese Lebensräume und der Artenreichtum zerstört, geht auch diese wichtige Klimafunktion verloren.
Warum muss das Wattenmeer geschützt werden?
Das Wattenmeer ist ein empfindliches Ökosystem. Viele Tiere und Pflanzen brauchen ungestörte Lebensräume. Werden diese dauerhaft beeinträchtigt, verschwinden Arten und das Nahrungsnetz gerät aus dem Gleichgewicht.
Heute stehen die Ökosysteme der Nordsee und des Wattenmeers unter großem Druck:
Klimakrise und Erwärmung der Meere
Verschmutzung und Nährstoffeinträge
Schifffahrt und Unterwasserlärm
Energie-Infrastruktur
Verklappung von Sedimenten
Abbau von Sand und Kies
Grundschleppnetzfischerei mit bodenberührenden Fanggeräten
Besonders problematisch ist die Grundschleppnetzfischerei. Dabei werden Netze über den Meeresboden gezogen. Im Wattenmeer wird diese Methode vor allem in der Krabbenfischerei eingesetzt. Dafür verwendet man zwar leichtere Netze als in anderen Fischereien wie z.B. in der Plattfischfischerei, doch diese richten trotzdem großen Schaden an und verhindern die Erholung wichtiger Arten und Lebensräume.
Was ist Grundschleppnetzfischerei?
Grundschleppnetzfischerei bezeichnet eine Fangmethode, bei der große Netze mit schweren Ketten, Holz- oder Metallrahmen direkt über den Meeresboden gezogen werden. Die Netze schleifen direkt über den Meeresboden und „nehmen alles mit“, was dort lebt – egal, welche Art es ist oder wie groß das Tier ist, das nennt man auch Beifang. Die Grundschleppnetzfischerei zählt weltweit zu den zerstörerischsten Fischfangmethoden. Ein Großteil der deutschen marinen Natura-2000-Gebiete (= Meeresschutzgebiete nach EU Gesetzgebung) ist von Grundschleppnetzfischerei betroffen. Im Nationalpark Schleswig-HolsteinischesWattenmeer ist sie nur in 3% der Fläche offiziell verboten, obwohl laut Nationalparkgesetz der überwiegende Teil von menschlichen Einflüssen frei sein sollte.
Warum gefährdet die Grundschleppnetzfischerei das Wattenmeer?
Die Grundschleppnetzfischerei wirkt wie eine grobe Harke auf dem Meeresboden. In der Krabbenfischerei in der Nordsee werden meist sogenannte Baumkurren eingesetzt, die auf Metallkufen über den Boden gezogen werden. Zwischen den Kufen hängt ein Netz, an dessen Unterseite Hartgummirollen über den Meeresgrund schleifen, um die Krabben aufzuscheuchen. Die Kufen und die Rollen wirbeln die Sedimente auf und zerstören empfindliche Lebensräume. Da die gleichen Gebiete regelmäßig auf diese Weise befischt werden, wird eine Erholung der Strukturen am Meeresboden verhindert. Die Krabbenfischerei hat verschiedene negative Auswirkungen auf das Wattenmeer:
Schäden am Meeresboden
Viele Studien zeigen:
Der Artenreichtum nimmt ab.
Die Biomasse der Bodentiere geht zurück.
Empfindliche Arten verschwinden.
Vor allem robuste und kurzlebige Arten bleiben zurück.
Besonders betroffen sind Muschelbänke, Seegraswiesen und Arten, die Riffe bilden und als Fortpflanzungs- und Aufwuchsgebiete besonders bedeutsam sind. Viele dieser Strukturen wurden über Jahrzehnte zerstört und konnten sich bis heute nicht erholen.
Wissenschaftler*innen beschreiben Teile der Nordsee inzwischen als dauerhaft „umgewühlt“. Nahezu unberührte Meeresböden gibt es kaum noch.
Hoher Beifang
In der Krabbenfischerei werden viele Tiere mitgefangen, die gar nicht gefangen werden sollen:
Jungfische, vor allem kleine Plattfische
Stinte
Aalmuttern
Seesterne
Muscheln
Kleine Krabben
andere Bodentiere
Der Beifang wird in der Regel zurück ins Meer geworfen, ein großer Teil dieser Tiere überlebt das nicht. Studien zeigen, dass bis zu 70 % des Krabbenfangs aus Beifang bestehen kann.
Dadurch fehlen wichtige Tiere im Nahrungsnetz. Besonders Jungfische wie Schollen sind stark betroffen. Wissenschaftler:innen schätzen, dass die Fischerei die spätere Laichpopulation deutlich verringern kann. Auch die Nordseekrabben sind durch Überfischung der Population schon stark zurückgegangen.
Außerdem leiden Seehunde, Schweinswale und die vielen verschiedenen Seevogelarten, weil ihnen die Nahrung fehlt, da es weniger Fische und Bodentiere gibt.
Kurz gesagt: Keine sicheren Kinderstuben, keine Fische, keine Zukunft. Die Nordsee beginnt im Wattenmeer.
Auswirkungen auf Klima und Kohlenstoffspeicherung
Der Meeresboden speichert große Mengen Kohlenstoff. Wird der Boden ständig gestört, kann gespeicherter Kohlenstoff wieder freigesetzt werden und gelangt als CO2 in die Atmosphäre, wo er die Klimakrise weiter anheizt.
Neue Studien zeigen, dass Grundschleppnetzfischerei die Fähigkeit der Nordsee zur Kohlenstoffspeicherung deutlich verringert. Gleichzeitig verändert sie wichtige Prozesse im Sediment und beeinträchtigt Mikroorganismen, die für gesunde Ökosysteme wichtig sind.
Welche rechtlichen Verpflichtungen bestehen zum Schutz des Wattenmeeres?
Deutschland ist gesetzlich verpflichtet, das Wattenmeer zu schützen. Die EU verlangt einen „guten Umweltzustand“ der Meere. Doch dieser ist in keinem Teil der Nordsee bislang erreicht. Das Wattenmeer ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Daraus ergeben sich klare Verpflichtungen für Deutschland nach der Fauna-Flora Habitat-Richtlinie (FFH-RL). Deutschland hat sich verpflichtet, geschützte Lebensräume zu erhalten oder wiederherzustellen, Schutzmaßnahmen umzusetzen, Risiken frühzeitig zu vermeiden und Schäden an Lebensräumen zu verhindern sowie Verträglichkeitsprüfungen für potenziell schädliche Aktivitäten durchzuführen. Dennochist die Grundschleppnetzfischerei im Nationalpark Wattenmeer größtenteils erlaubt. Die deutsche Zustandsbewertung der Nordsee von 2024 (unter der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie) nennt Grundschleppnetzfischerei ausdrücklich als einen Hauptgrund für den schlechten Zustand der Lebensräume am Meeresboden.
Damit das Wattenmeer eine Chance hat, einen guten Umweltzustand zu erreichen, braucht es den Ausschluss schädlicher Nutzungen wie der Grundschleppnetzfischerei.
Warum ist eine Klage notwendig?
Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer existiert seit 1985 und seit 2004 wurde das Gebiet als Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 nach der FFH-Richtlinie und Vogelschutzrichtlinie ausgewiesen. Seit 2009 gehört das Wattenmeer außerdem zum UNESCO-Weltnaturerbe. Trotz aller Schutzbemühungen bleiben konkrete Schutzmaßnahmen unzureichend. Der Nationalpark Wattenmeer, der dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein untersteht, erlaubt die Krabbenfischerei weiterhin.
Ein Dialog zur „Zukunft der Krabbenfischerei“, an dem Behörden, Fischerei und Umweltverbände beteiligt waren, ist im Sommer 2025 ergebnislos gescheitert. Doch mit jedem Jahr Untätigkeit, bricht Deutschland geltendes EU-Recht und beraubt der Nordsee ihrer Lebensgrundlage. Dies bestätigt ein richtungsweisendes Urteil vom Mai 2026 aus den Niederlanden, dasdie Mitgliedstaaten verpflichtet, geltendes EU-Naturschutzrecht umzusetzen und die Grundschleppnetzfischerei einer FFH-Verträglichkeitsprüfung zu unterziehen, bevor sie in Natura2000 Gebieten zugelassen werden darf.
Was ist das Ziel der Klage?
Deutschland und die Küstenländer weigern sich, eine Verträglichkeitsprüfung für die Grundschleppnetzfischerei durchzuführen, wie es laut Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU vorgeschrieben ist. Eine Verträglichkeitsprüfung überprüft, ob Aktivitäten wie die Fischerei mit den Schutzzielen der Schutzgebiete vereinbar sind. Wenn nicht, müssen entsprechende Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen erlassen werden. Mit unserer Klage wollen wir erreichen, dass europäisches Recht umgesetzt und der Meeresnaturschutz gestärkt wird und das Wattenmeer endlich den Schutz erhält, den es braucht.
Daher fordern wir, dass eine FFH-Verträglichkeitsprüfung für die Grundschleppnetzfischerei durchgeführt und geeignete Maßnahmen für den Schutz des Wattenmeeres beschlossen werden. Dazu gehört der Ausschluss der Grundschleppnetzfischerei aus dem überwiegenden Teil des Nationalparks, damit sich natürliche Prozesse wieder entfalten und sich Krabben- und Fischpopulationen und ihre Lebensräume erholen können. Das ist auch unabdingbar, damit die lokale Fischerei eine Zukunft hat.
Um den ökologischen Zustand des Wattenmeeres zu verbessern, braucht es wirksame Schutzmaßnahmen. Dazu gehören vor allem großflächige nutzungsfreie Zonen, der Schutz empfindlicher Lebensräume und die Wiederherstellung zerstörter Ökosysteme wie Seegraswiesen und Muschelbänke. Gleichzeitig müssen Nähr- und Schadstoffeinträge reduziert, der Unterwasserlärm und die Auswirkungen von Baumaßnahmen verringert und natürliche Prozesse wieder zugelassen werden. Gesunde und ungestörte Meeresgebiete können sich langfristig erholen, Artenvielfalt zurückbringen und das Wattenmeer widerstandsfähiger gegen die Folgen der Klimakrise machen. Nur so kann das Wattenmeer weiterhin seinen unsichtbaren, aber wichtigen Beitrag für eine gesunde Nordsee, ihre vielen Bewohner und den Klimaschutz leisten.